Was ist ADS?

Dr. med. Heiner Schilling – Spezialist für ADS und ADHS hielt einen ausführlichen Vortrag dazu im Johanneszentrum in Neumarkt:

heiner schilling

Wie bemerkt man ADS und ADHS?

Oft kommen bereits im Kindergartenalter die ersten Auffälligkeiten, wie z.B.:

  • das Kind stört den Sitzkreis
  • hält sich nicht an Regeln.

Bereits da werden manche Eltern aufmerksam.

Ausprägungen von ADS:

  • vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ
  • vorwiegend unaufmerksamer Typ
  • kombinierter Typ

Impulsivität und Hyperaktivität bei ADS

Impulsivität ist bei ADS immer dabei, Hyperaktivität nicht immer.

ADS gibt es selten allein, meistens sind Begleiterscheinungen wie Lese-/Schreibschwäche, oppositionelles Verhalten (nicht hören), Aggression etc. dabei. Oft „rasten“ ADS-Kinder rasch aus, lenken aber auch schnell wieder ein.

Positive Eigenschaften von ADS

ADS hat viele positive Eigenschaften, denn es ist keine „Krankheit“, sondern eine „Besonderheit“:

  • Kinder sind Ideenreich
  • haben künstlerische Kreativität
  • einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn
  • sind fantasievoll
  • sind hilfsbereit
  • zeigen oft soziales Engagement
  • sind risikobereit
  • bringen bei hoher Motivation Höchstleistungen
  • sind unermüdlich
  • oft stressresistent
  • Ziele werden hartnäckig verfolgt

Vom jugendlichen Symptom zur „Managerqualität“

Gerade die oben genannten Eigenschaften werden im Berufsleben nicht mehr als störend, sondern oft als individuell angesehen und noch gefördert.

Hierbei wird aus

Quengeligkeit -> Durchsetzungsvermögen

Kommandieren -> Führungspersönlichkeit

Sturheit -> Beharrlichkeit

Persönlichkeiten mit AD(H)S-Symptomen

  • W.A. Mozart
  • Albert Einstein
  • Winston Churchill
  • Hermann Hesse
  • Napoleon
  • T.A. Edison
  • J.H. Pestalozzi

ADS ist eine Sache der Quantität, nicht der Qualität der Störung!

Zuviel ist störend/belastend und bringt die Probleme. Jedes ADS ist anders, so wie Fingerabdrücke.

30 – 66% leiden auch im Erwachsenenalter noch an ADS.

Verändertes Erscheinungsbild ADS im Alter

ADS im Kindergarten

  • wildes Rennen und Toben
  • ziellose Aktivität

ADS in der Grundschule

  • rennt durch den Klassenraum
  • Zappelbeine

ADS im Jugendalter

  • Suchtgefahren
  • emotionale Schwierigkeiten
  • unüberlegte Entscheidungen
  • Probleme mit Geld

ADS im Erwachsenenalter

  • Vergesslichkeit auch bei wichtigen Terminen
  • leichte Ablenkbarkeit
  • innere Unruhe
  • Unfähigkeit zur Entspannung
  • Ungeduld
  • Stimmungsschwankungen

Je nach Strukturierung des Tagesablaufs durch Ordnungen und Regeln der Mutter, bzw. der Eltern, lernt der ADSler den Umgang. Er lernt sich zu organisieren, damit umzugehen.

Ursachen für ADS und ADHS

Die Genetik spielt eine grosse Rolle. Daneben spielen verschiedene Begleiterscheinungen eine Rolle.

5 – 8% unserer 6-10jährigen Kinder haben ADS das auffällt.

Zuwenig Dopamin bei ADS

Mit Lichtgeschwindigkeit wird von einem Nervenende zum anderen Information übergeben. Dabei helfen die „Neuronen“:

neuronen nerven

Diese Vielzahl von Neuronen sind eingebunden in ein gigantisches Informationsnetzwerk, in dem jedes Neuron Informationen an andere Neuronen senden und empfangen kann. Dies geschieht über besondere Nervenkontaktstellen, den sog. Synapsen.

Wie gross dieses Netzwerk ist, kann man versuchen sich anhand dieses Beispiels vorzustellen:

„Die Zahl der Strukturbildungsmöglichkeiten oder Freiheitsgrade in unserem Gehirn ist so groß, daß man für das Niederschreiben in normal großen Ziffern einen Papierstreifen von über 10,5 Millionen Kilometer Länge bräuchte. Mit einer solchen Zahl von Möglichkeiten ist das Gehirn eine Klaviatur, auf der Hunderte von Millionen verschiedener Melodien gespielt werden können.“ (Prof. Anokhin)

Probleme bei ADS und ADHS

Kinder und Erwachsene mit ADS und ADHS können den sog. „Filter“ nicht einschalten.

Das bedeutet, dass sie die äusseren Reize nicht „ausschalten“ können und sich ablenken lassen.

Das Prizip der Werbung

Eine Ursache hierfür ist in unserer Gesellschaft zu suchen.

Genau diese „Ablenkung“ ist das Prinzip der Werbung!

Reden ohne zu denken, handeln ohne zu überlegen!

Reden ohne zu denken. – Das sehen wir jeden Tag im Fernseher (Richter-Serien) und sollen uns dafür interessieren.

Handeln ohne zu überlegen. – Wir sollen die beworbenen Produkte einkaufen, ohne weiter nachzudenken (könnten wir etwas billigeres nehmen? etc.)

Ablenkung ist das Prinzip, nach dem unsere Werbung funktioniert!

Jedes Werbeplakat an der Strasse kämpft um unsere Aufmerksamkeit im Straßenverkehr, will gewinnen und wir sollen etwas kaufen.

Jeder Werbespot zwischen der Kinderserie kämpft um die Aufmerksamkeit des Kindes, soll das Kind im Hirn behalten und beim nächsten Einkauf die Eltern „nerven“.

Aber in der Schule – da soll sich das Kind auf einmal nicht mehr ablenken lassen!

Diagnostik ADS

Leider gibt es viel zuwenig Ärzte, die sich intensiv mit ADS und ADHS beschäftigen. Im Medizin-Studium wird auf ADS nur kurz eingegangen und in der praktischen Zeit in einer Klinik wird ein angehender Arzt mit allen möglichen Krankheiten, aber nicht mit ADS-Patienten konfrontiert. So kommt es, dass sich nur wenige Kinderärzte oder Kinderpsychologen tatsächlich auf dem neuesten Wissensstand befinden.

Die Diagnostik ist daher schwierig und sollte auf keinen Fall mit einem „Intelligenz-Test“ verbunden werden. Schliesslich kann gerade die Unaufmerksamkeit eines Kindes mit ADS „nach hinten losgehen“, wenn sich das Kind aufgrund von ADS eben nicht auf den Test konzentriert!

Es ist eine Blutuntersuchung anzuraten, um eine Schilddrüsenüberfunktion auszuschliessen.

Über eine Anamnese wird in einem 45 Minuten Gespräch die Basisdiagnostik erstellt.

Mehr Zeit hat der Arzt aufgrund der Abrenchnungsmodalitäten der Krankenkassen nicht – es wird einfach nicht bezahlt!

Für die Schule, bzw. den Kindergarten wird den Betreuern ein Fragebogen (nach Conners, überarbeitet nach Skrodzki) mitgegeben, den die Lehrer ausfüllen.

Danach erfolgt eine Auswertung dieses Bogens in Verbindung mit einer „orientierenden klinischen Untersuchung“. Hier wird der Körper des Kindes auf Größe, Gewicht und Reflexe mit Verhaltensbeobachtung bei der Untersuchung untersucht.

Multimodale Therapieziele

Die Behandlung von ADS und ADHS ist multimodal (vielschichtig) und hat die Ziele:

  • Konzentration
  • Ausdauer
  • Verhaltenssteuerung
  • Soziale Integration
  • Stabiles Selbstwertgefühl
  • Schul- und Berufsausbildung nach Begabung.

Dabei sollte die Erziehung ganz normal wie immer ablaufen:

  • Rahmen und Grenzen
  • Regeln
  • Strukturen

Die Erziehung soll geprägt sein von „liebevoller Strenge“.

Bei ADS-Kindern alles noch ein bischen mehr als bei normalen Kindern.

Lösungsansatz und Hilfe bei ADS

Kein Tiefenpsychologischer Ansatz, sondern Verhaltenstherapeutische Therapie für den Lösungsansatz. Ergotherapie mit Behandlung der motorischen Störung und Verhaltenstraining.

Ritalin

Was ist Ritalin?

Ritalin ist Methylphenidat und eins von nur zwei in Deutschland von den Krankenkassen zugelassenen Medikamenten für diese Art der Behandlung von ADS und ADHS.

Ritalin ist eine Amphetamin-ähnliche Substanz. Amphetamin ist in Deutschland auch unter dem Kürzel „Speed“ als Suchtmittel bekannt.

Einige Ärzte verschreiben den Kindern auch Amphetamin-Saft, der von den Apothekern extra angemischt wird.

Dosierung von Ritalin

Die Dosierung von Ritalin kann man nicht orientierend an Merkmalen wie Körpergewicht festmachen, sondern wird „einschleichend“ erprobt.

Das bedeutet, man orientiert sich an der „Wirksamkeit“:

  • Grenze der unteren Dosierung = wirkt es schon
  • Grende der oberen Dosierung = setzen die beginnenden Nebenwirkungen ein wie z.B. Appetitstörung, Schlaflosigkeit etc. ein

Nebenwirkungen von Ritalin

  • Nebenwirkungen am Beginn der Dosierung
  • „Reboundhyperaktivität“ durch das Ritalin
  • Schlafstörung bei nachlassender Wirkung
  • Weinerlichkeit
  • Sozialer Rückzug

Atomoxetin (Strattera)

Das zweite seit 2 Jahren in Deutschland zugelassene Medikament ist das Atomoxetin, auch Strattera genannt.

Das Strattera ist seit 5 Jahren in Amerika zugelassen. Es gibt keinerlei Langzeitstudien zu den Wirkungen und Nebenwirkungen sowie der Langzeitnebenwirkungen, wie z.B. auf Leber, Herzreizleistung.

Alternativen bei ADS

  • Phosphatarme Ernährung ist sinnvoll
  • Farbstoffe in den Lebensmitteln versuchen wegzulassen
  • Mehr Omega-III-Fettsäuren zu sich nehmen

Ein Gedanke zu „Was ist ADS?

  • 24. August 2010 um 14:34
    Permalink

    Amphetamine gehören zu Doping-Mitteln ???

    Heißt das, daß jetzt alle Jugendlichen, die sportlich aktiv sind nur noch zu Wettkämpfen der internationalen Medellin Doping.-League zugelassen werden?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.