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Wie mache ich mich selbständig?

Zum Thema: „Wie mache ich mich selbständig?“ wurden live die Gäste inviewt und standen Rede und Antwort:

Interview-Partner:

  • Dr. Christian Götz - Geschäftsführer der IHK (Dr. G)
  • Michael Endres - Landratsamt Neumarkt Abteilung Wirtschaftsförderung (ME)
  • Markus Götz - Sparkasse Abteilung Existenzgründerberatung (MG)
  • Dipl.-Betriebswirt Gerd Ortner - Geschäftsführer Ortner Werbung GmbH (GO)

Selbständig machen

Kann man sich heutzutage noch selbständig machen? Wie sind die Chancen?
ME: Es lohnt sich in Neumarkt. Nach Untersuchungen von Wirtschaftsregionen ist das Klima für Existenzgründer sehr gut. Das Gründerklima ist in unserem Raum sehr gut. Der Teilnehmerkreis der Unternehmerschule hat sich stark verlagert. Viele Teilnehmer arbeiten und machen sich nebenbei selbständig.

Dr. G: In Bayern haben wir im Allgemeinen eine sehr gute Gründersituation. Wir liegen weit vorn bei den Wachstumszahlen. Das liegt auch an den vielen Firmen, die bereits da sind. Das sind Vorbilder für die Starter. Aus den Unternehmen in die eigene Selbständigkeit.

GO: Ein Gründer sollte ein gutes Netzwerk aufbauen. Er sollte zu Gleichgesinnten gute Kontakte haben: Lieferanten etc. Die Wirtschaftsjunioren bieten für Existenzgründer Einzelgespräche, Workshops und Seminare auch überregional an. Die Wirtschaftsjunioren sind sehr nah an der IHK.

Wie lang ist die Schlange vor Ihrer Tür bei der IHK?
Dr. G: Wir hatten bei der letzten Unternehmerschulung über 100 Teilnehmer. Dabei merken wir eine Veränderung in den letzten Jahren. Wir haben nicht mehr so viele „One-Man-Show“-Gründer, sondern vermehrt Start-up’s mit 3 bis 4 Gründern.

Wie läuft das ab, was für Leute kommen zu Ihnen?
Dr. G: Es kommen ganz unterschiedliche Leute. Die ganzen Organisationen wie z.B. Alt hilft Jung helfen vom ersten Gedanken zur tatsächlichen Umsetzung. Das kann ein bis zwei Jahre dauern. Erst wenn man den richtigen Plan hat, wie wird das Geld investiert etc. kann ich mich wirklich selbständig machen.

ME: Es gibt keine Pflicht die Unternehmerschule zu besuchen. Die Schulung ist kostenfrei für die Teilnehmer. Es wird empfohlen. Nach unseren Untersuchungen scheitern viele Unternehmungen bei der Umsetzung der Ideen. Die Unternehmerschule ist ein Kooperationsprodukt: Regina, Sparkasse, Raiffeisenbank, Alt hilft Jung und andere Organisationen. Wie Gerd Ortner schon sagte: das ist ein Netz.

Woher weiß man dass seine Idee gut ist?

Dr.G: Wenn ich Erfolg hab. Oft kommt die Frage: Wo kann ich denn eine Existenz gründen? Der Markt muss eine Lücke haben. Das muss man rausfinden, muß in den Markt reingehen. Es kann so sein, dass einer eine gute Idee hat und bringt die dann ein.

Gibt es Ideen wo sie abraten?

MG: Wenn man durch Preiskampf bestehen will. Damit ist man zum Scheitern verurteilt. Man muss vorher ausrechnen, was man kostet. Man muss einfach wissen was man kostet und das dann auch verlangen.

Was macht eine gute Idee aus?

GO: Es macht nicht nur die Idee aus. Man muss unbedingt auch die „skills“, die Fähigkeiten mitbringen, z.B. Fleiß, Geduld, Ausdauer, eben Unternehmermotivation.

Dr.G: In der Unternehmensgründungs-Blase vor ein paar Jahren war die Erwartungshaltung: möglichst schnell viel Geld verdienen. Das ist ein Klischee. Man braucht Fleiß und Ausdauer um durch die Durststrecke zu kommen. Man muss seine Unternehmer-Persönlichkeit immer wieder anpassen, an sich arbeiten.

Wie schwierig ist es an Existenzgründer-Darlehen ranzukommen?

MG: Ich brauche eine gute Planung. Der Existenzgründer kommt im Normalfall aus einem Arbeitnehmer-Verhältnis in die Selbständigkeit. Wie ist meine Planung? Wieviel Geld brauch ich? Ab wann komm ich in die Gewinnzone?

Woher weiß ich was geht und was nicht?

MG: Ein guter Geschäftsplan und eine gute Argumentation ist schon fast alles. Die erste Empfehlung lautet: besucht die Unternehmer-Schule. Dann ist die Rechtsform ganz wichtig. Dann noch Fragestellungen wie: Wer kauft mein Produkt? An wen will ich vertreiben? Und das Marketing: Wie komme ich in den Markt überhaupt rein? Und die Punkte Versicherungen, Absicherungen, Darlehen: Was mache ich wenn es nicht klappt?

Dr.G: Wir haben ein Existenzgründer-Paket aus acht Modulen. Wenn jemand anfragt bekommt er ein Päckchen. Darin sind Mustervorlagen enthalten wie Geschäftsgründungsplan, eben Grundinfo. Dann halten wir Existenzgründer-Seminare im Zentrum Neumarkt. Wir geben kostenlose Existengründer-Beratung und man kann einen Probeentwurf seinen Geschäfsgründungsplanes abgeben. Das schaut sich dann kostenlos ein Experte an. Wir bieten auch direktes Coaching. Das wird vom Wirtschafts-Ministerium gefördert. Weiter gibt es noch die Nachfolger-Börse. Es gibt viele Unternehmen wo die Nachfolge offen ist. In den nächsten Jahren stehen auch in Neumarkt viele Unternehmen vor dieser Frage.

Wie wichtig ist Marketing?

GO: Das Marketing wird gerade bei der Unternehmensgründung sehr unterschätzt. Der Gründer muss, weil er aufbauen muss, von Anfang an überzeugen. Er muß sich positionieren, seine Produkte positionieren.

Die Sachen spart man sich doch oft am Anfang.

GO: Und da sparen viele falsch!
Mit selbstgedruckten Visitenkarten vom heimischen Tintenstrahldrucker kann man sich den ersten Auftritt gleich kaputt machen. Da macht man gleich einen unprofessionellen falschen Eindruck.

Wie komme ich denn an das Geld ran?

MG: Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Programmen. In der Regel hat die Hausbank Beziehungen zur LFA (LandesFörderungsAnstalt) und KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). An diese Institutionen können Anträge nur durch die Hausbank gestellt werden. Die geht ein bestimmtes Risiko ein. Ohne Eigenkapital sind die Zinsen zur Risikoabsicherung höher.

Dr.G: Es liegt mehr an den Personen als an der Bank selber. Wenn ein Existenzgründer seinen Visionen selbst nicht richtig versteht, kann er das auch schlecht rüberbringen. Er muss bereit sein über den Tellerrand hinaus zu schauen. Bereit sein Risiko zu investieren. Die Banken haben ihr Dilemma mit diesem Risiko.

Wie oft fallt ihr auf die Nase (Banken)?

MG: Ca. 50% der Existenzgründer verschwinden die ersten Jahre wieder vom Markt. Das ist auch das Problem der Banken. Viele wechseln wieder in ein Arbeitnehmer-Verhältnis. Die Banken bleiben dann auf den Schulden sitzen.

Dr.G: Aus Amerika kommen viele neue Modelle mit Beteiligungsmöglichkeiten. Investoren geben Geld rein und bekommen dann auch wieder was raus. Aber auch einen sog. Business-Angel muss ich erst überzeugen, dass er mir Geld gibt.

Was ist der Reiz an der Selbständigkeit?

GO: Das wichtigste ist: man muss ein Unternehmertyp sein. Die mit der Selbständigkeit verbundene Arbeit ist direkt konträr zur Arbeit zu sehen. Man muss der Typ dazu sein, man muss es wollen. Manchem sind dann die Arbeitstage zu lang. Man hat dann keine zwei bis drei Wochen Urlaub mehr. Die die das nicht können verschwinden nach ein bis zwei Jahren wieder.

Gibt es auch Wirtschaftsförderung für bestehende Unternehmen?

ME: In die Unternehmer-Schule kommen auch Unternehmer, die schon fünf Jahre selbständig sind. Sie schauen sich einfach um welche Kurs für sie grad nützlich sind, was sie grad brauchen können. Neue Finanzierungsmöglichkeiten zum Beispiel usw. Wir lotsen die Unternehmer mit unseren Verbindungen, helfen dabei Netzwerke zu bilden. Holen Unternehmen zusammen, bringen Ideen ein.

GO: Unternehmer-Stammtisch ist zum Beispiel hochinteressant. Da ist ein ganz breites Spektrum von Leuten. Von den Ein-Mann-Betrieben bis zum Unternehmen mit tausenden von Leuten. Die Wirtschaftsjunioren sind nicht nur Regional, sondern als JCI auch International aktiv. Man kann Freunde fürs Leben kennen lernen oder auch sich nur nach anderen Unternehmern umschauen. Wir machen toll organisierte Abendveranstaltungen, da lernt man auch schnell jemanden kennen.

Wenn ich das als Handwerker alles höre: Geschäftsplan, Businessplan und kann selbst keine Buchhaltung machen. Und will mich als Handwerker selbständig machen. Bin ich da zum Scheitern verurteilt?

Dr. G: Mein Handwerk muss ich können. Für die Buchhaltung kann ich mir einen Steuerberater holen. Auch für die rechtliche Hilfe (Verträge etc.) kann man sich Kompetenz holen. Einfach den passenden Beistand suchen: Schwächen eingestehen, sich begleiten lassen.

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