Wem gehört die Süddeutsche Zeitung?

Nach dem Verkauf der Süddeutschen Zeitung an die SWMH (Südwestdeutsche Medienholding) wird von einem Verkaufspreis von einer Milliarde Euro gesprochen. Die SWMH war bereits vorher im Besitz von 18,75% der Süddeutschen Zeitung. Verkauft wurden jetzt 62,5% Anteile von den Eignern Goldschagg, von Seidlein, Schwingerstein und Dürrmeier. Stichtag für den Übergang der Anteile soll der 29. Februar 2008 sein (genaue Auflistung im Anhang).

Zuvor hatte die SWMH die mehrheitliche Übernahme des “Schwarzwälder Boten” bekanntgegeben (Quelle: Reuters).

In der nun gegründeten Mediengruppe Süd sind die “Stuttgarter Nachrichten”, die “Stuttgarter Zeitung” und der “Schwarzwälder Bote” mit einer Gesamtauflage von 530.000 verkauften Exemplaren gebündelt.

Medien Union GmbH

Die SWMH gehört zu 44,36% der Medien Union GmbH mit Sitz in Ludwigshafen. Diese besitzt als Haupteigner Dieter Schaub (im Oktober 2004 war er mit einem Privatvermögen von 1,10 Milliarden Euro der 75. reichste Mann Deutschlands.) Die Medien Union GmbH publiziert “Die Rheinpfalz”, zu ihr gehört die “Freie Presse” von Chemnitz und die Westermann Druck- und Verlagsgruppe mit Sitz in Braunschweig. (Beteiligungsverhältnisse Süddeutsche Zeitung weiter unten im Artikel).

Die Medien Union ist fleissig am Kaufen, Schließen (140 Mitarbeiter) und Fusionieren:

Medien Union kauft Zerb Verlag – Zitat:

Die zur Medien Union GmbH Ludwigshafen gehörende Intermedia Vermögensverwaltungs GmbH erwirbt zum 1. September 2007 den Zerb Verlag. Der auf erbrechtliche Praxisliteratur spezialisierte Fachverlag Zerb hat sich innerhalb weniger Jahre zu einer führenden Marke im Erbrecht entwickelt. In dem Verkauf sehen die bisherigen Zerb-Gesellschafter um Andreas Zens die Möglichkeit, das Programm noch weiter auszubauen und für die Herausforderungen des Online-Zeitalters gewappnet zu sein. Mit dem Kauf baut die Medien Union über ihre Intermedia-Tochter ihre Position im Fachverlagsmarkt weiter aus.

Medien Union schließt Transmedia Verlag – Zitat:

Die geplante Betriebsstilllegung wurde von der Konzernmutter Medien Union offensichtlich seit langem vorbereitet: jahrelang wurden die durch Transmedia erwirtschafteten hohen Überschüsse über einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag an die Medien Union (u. a. Süddeutsche Zeitung, Rheinpfalz, Stuttgarter Nachrichten, Stuttgarter Zeitung) abgeführt.

Kauf des AZ-Verlags durch den Rheinpfalz Verlag/Medien Union Gruppe

Die Rheinpfalz Verlag und Druckerei GmbH & Co. KG hat die Hock GmbH gekauft. Damit erweitert sich das Portfolio um den AZ-Verlag, der wöchentlich mittwochs das Anzeigenblatt AZ mit einer verteilten Auflage von 324.485 Exemplaren herausgibt (1997).

Wer ist Dieter Schaub?

“Wissen, was läuft und es steuern” – könnte man als Oberbegriff nehmen, wenn man versucht hinter die Gesellschaftsverhältnisse von Dieter Schaub zu kommen. Bereits 1945 hat sein Vater von den Alliierten die erste Lizenz für eine Regionalzeitung erhalten – die Tageszeitung “Die Rheinpfalz” war entstanden. 1964 übernahm Dieter Schaub von seinem Vater die Leitung, doch ihn dürstete nach Expansion.

Er kaufte von der Familie Bosch ihre 30% Anteile an der “Stuttgarter Zeitung” inklusive dem Immobilienvermögen in Stuttgart. Inzwischen hält er 45% (Stand 2004) an der “Stuttgarter.Als Schaub sich 1971 das zweitgrößte Blatt der Region – den “Mannheimer Morgen” – einverleiben wollte, platzte der Deal. Dieter Schaub zog sich komplett von der Öffentlichkeit zurück und kam erst wieder Mitte der 80er Jahre ins Gespräch – in einem dubiosen Schweizer Finanzskandal. Schaub wollte 40 Millionen Schweizer Franken in neue Projekte der konkursgefährdeten Benziger AG stecken. Doch der Treuhänder der Millionen, Rudolf S., veruntreute das Geld und die Schweizer Presse höhnte “Doktor Schaub ist leider von Armleuchten umgeben”. Aber Dieter Schaub hat weitergemacht und -gekauft: 1986 den Westermann-Verlag (gegründet 1838) in Braunschweig. Zum Unternehmen zählen heute viele Tochterfirmen und Namen wie Diercke, Schroedel, Diesterweg, Schöningh, sowie Winklers und beschäftigt 800 Mitarbeiter. Unter dem Geschäftsführer Jürgen Richter kaufte die Medien Union 1991 die Chemnitzer “Freie Presse” für 100 Millionen Euro. Die Zeitung hätten andere Verlage auch gern gekauft und man munkelt, dass der Zuschlag über die guten “Kohlschen” Beziehungen von Straub zum damaligen Ministerialdirigenten Johannes Ludewig geklappt hat. Inzwischen distanziert sich Jürgen Richter von der Familie Schaub und sagt selbst er “sieht in Deutschland Defizite in der journalistischen Berufsethik – er sieht Netzwerke, die ihn an Berlusconi erinnern“. Das Kartellamt hat bereits Zusammenschlüsse unterbunden, die den Wettbewerb unterbinden würden.

Auch Dieter Schaub scheint mit der Übergabe der Führung an seine beiden Söhne Thomas und Michael Schaub begonnen zu haben.Thomas Schaub hat als Verleger der Ludwigshafener Tageszeitung “Rheinpfalz” bei der Übernahme in einer Hausmitteilung angekündigt “Kosten konsequent abzubauen” und den “bestehenden Schutzzaun um die Redaktion” einzureissen. Nach seiner Darstellung sei der Anzeigenumsatz dramatisch eingebrochen und nur ein strikter Sparkurs könne die Zeitung noch retten, weil “eine gesteigerte Effizienz durch Investitionen in die Technik ausgeschlossen sei”. Er hat also keine weiteren Redakteuere mehr eingestellt und die befristeten Verträge auslaufen lassen.Die eigenen Mitarbeiter stimmte die Auslagerung der Geschäftsstellen der Zeitung zu verlagsfremden Servicepunkten eher nachdenklich. Inzwischen ist die “Rheinpfalz” aus dem Verband der Zeitungsverleger ausgestiegen um günstigere Tarifkonditionen zu erhalten. Sprich: weniger Gehalt für die festangestellten Mitarbeiter und Schaub selbst sagt dazu “hausspezifische Lösungen” mit denen das Haus und die Beschäftigten “einigermaßen Leben können”.

Inhaber- und Beteiligungsverhältnisse der Süddeutscher Verlag GmbH

Beteiligungen der Süddeutscher Verlag GmbH

Nachtrag am 13.01.08:

Kein Sparprogramm bei der „Süddeutschen“ schreibt der österreichische „Standard“ in seiner Online-Ausgabe vom 13.08.07:


Laut „Spiegel“ plant neuer Mehrheitseigner auch keine Rationalisierung in Redaktionen

Von der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) erwartet der neue Mehrheitsgesellschafter keinen höheren Ertrag als bisher. Der Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medien Holding (SWMH), Richard Rebmann, sagte dem „Spiegel“, es gebe keine Pläne, die Rendite des Süddeutschen Verlags durch ein Sparprogramm in die Höhe zu schrauben.

„Der Kaufpreis, den wir bezahlt haben, rechnet sich mit der Rendite, die zurzeit erwirtschaftet wird“, sagte Rebmann dem Hamburger Nachrichtenmagazin. „Wir haben absolut nicht vor, die eingeschlagene Strategie der letzten Jahre zu ändern.“ Synergien wolle man behutsam realisieren – etwa zwischen den Verlagen in Stuttgart und München.

Konzept für Sonntagszeitung

In den Redaktionen soll jedoch nicht rationalisiert werden, wie der „Spiegel“ weiter erfuhr. Beim Projekt einer Sonntagszeitung aus München lege sich Rebmann nicht fest. Es gebe ein sehr gutes Konzept. „Das ist aber leider schon fast ein Jahr alt. Wir müssen erst prüfen, ob es so noch in den Markt passt“, wurde er zitiert.

Der Süddeutsche Verlag mit dem Flaggschiff SZ hatte Ende Dezember mitgeteilt, dass die Eigentümer-Familien Goldschagg, von Seidlein, Schwingenstein und Dürrmeier ihre Anteile von insgesamt 62,5 Prozent an die SWMH verkauften. Diese hält dann insgesamt 81,25 Prozent. Die SZ ist mit einer Auflage von 431.500 Exemplaren in Deutschland Marktführer unter den überregionalen Blättern. In Österreich hält der Süddeutsche Verlag 49 Prozent am STANDARD. (APA/AP)

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