Verkarstung im Oberpfälzer Jura

Die Verkarstung

Die Weißjurasteine unterliegen seit der Kreidezeit, also seit 135 Mio. Jahren, der Verkarstung. Deren Auswirkungen machen sich in der Landschaft in Trockentälern, Karrenbildungen, Dolinen, Höhlen und letztlich auch in der Wasserarmut auf der Albhochfläche bemerkbar.

Bemerkenswert ist, daß der Fränkische und der Oberpfälzische Jura das größte und das am frühesten durchforschte Karstgebiet Deutschlands ist.

Karst und Verkarstung – Begriffserklärung

Der Name “Karst” wurde von der Bezeichnung des östlichen Hinterlandes von Triest (Slowenien) abgeleitet, in welchem auch ein geologisch ähnlich augebautes Kalkgebirge auftritt.

Generell versteht man in der Geologie unter der Verkarstung die Auflösung vor allem von Kalk- und Dolomitgesteinen (aber auch Stein- und Kalisalzen, Anhydriten, Gipsen sowie des kalkreichen Löß) durch das mit (aus der Luft und aus dem Oberboden stammende) Kohlendioxid angereicherte Niederschlagwasser.

Die so gelösten Stoffe werden dann mit dem Wasser zum geringen Teil oberirdisch, in der Hauptsache aber unterirdisch abgeführt. Jedes Karbonatgestein enthält auch unlösliche Bestandteile, die bei der Lösung als Rückstände übrig bleiben. Sie können an der Erdoberfläche allmählich angereichert werden und bilden dann meist eine lehmige Decke. Bei einer solchen Lehmüberdeckung der Gesteine spricht man vom “bedecktetn” Karst, im Gegensatz zum “nackten” Karst, bei welchem das Gestein offen zutage liegt.

Durch dieses Zusammenspiel von ober- und unterirdischer Auflösung und Entwässerung entstand auf den Kalk- und Dolomitgesteinen in Jahrmillionen die reizvolle und kleinräumige Karstlandschaft des Oberpfälzer Jura. (Worte “Oberpfälzer Jura” verlinken auf nächsten Artikel: Oberpfälzer Jura)

Wasserfilterung im Grundwasser und Quellen in  Karst-Gebieten

Die Verkarstung ist in wasserwirtschaftlicher Hinsicht sehr problemreich. Die Wasserfilterung ist im Karst denkbar schlecht. Durch Niederschlagswasser aus dem Boden ausgewaschene Schadstoffe – wie Nitrate als Folge intensiver Felddüngung – werden schnell und ohne wirksame Filterung in das Grundwasser eingebracht. In diesem herrschen nicht wie bei Porenwasserleitern wohldefinierte Wasserwegsamkeiten, besteht also keine langsame Durchwanderung, sondern der unterirdische Abfluß findet in offenen Klüften, Gängen und Schlotten sehr rasch statt. Das Grundwasser kann daher oft schon nach wenigen Tagen an Quellen ungefiltert wieder austreten. Deshalb ist es sehr wichtig, im Karstgebiet auf einen strengen Schutz des Grundwassers zu achten.

Die Folge der Verkarstung

Wie bereits erwähnt wurde, bewirkten die intensiven Verkarstungserscheinungen in den Kalken, Mergeln und Dolomiten der Weißjuraschichten auch eine extreme Wasserarmut auf der Albhochfläche. Als gutes Beispiel hierfür mag die stark verkarstete, wasserarme und ehemals nur dünn besiedelte Albhochfläche zwischen Velburg und Schmidmühlen gelten, die seit 1938 als Truppenübungsplatz genutzt wird. Die Planungs- und Entstehungsgeschichte dieses Truppenübungsplatzes ist deshalb sehr interessant, weil sie ein anschauliches Bild von der extremen Wasserknappheit liefert, unter der die Bevölkerung auf der gesamten Albhochfläche jahrhundertelang zu leiden hatte. Aufgrund der geologischen Verhältnisse war bereits in den dreißiger Jahren das Gebiet nördlich Hohenfels von der Landesbauernschaft für einen von der Wehrmacht geplanten Truppenübungsplatz vorgeschlagen worden (Griesbach 1988).

Die Albhochfläche wird hier aus stark wasserdurchlässigen Dolomitkuppen aufgebaut, die durch große Trockentalwannen getrennt sind. Die Böden dieser Karstwannen bestehen neben den braunen Alblehmen vielfach aus bunten, oft leuchtend roten, grobsandigen Lehmen der sog. Schutzfeld-Schichten aus der Kreidezeit. Der Grundwasserspiegel liegt etwa 100 bis 200 m unter der Albhochfläche. Infolge der Verkarstung der Kalk- und Dolomitgesteine versickert hier das Niederschlagswasser schnell im Untergrund.

Die wenigen Ortschaften in diser Gegend wurden stets auf den – nur regional verbreiteten – wasserstauenden Schichten angelegt: Hierdurch war es möglich, sogenannte Hüllen anzulegen, in denen das Oberflächenwasser in Tümpeln gespeichert wurde. Diese Hüllen dienten zur Minimaldeckung des Wasserbedarfs von Mensch und Tier. Weiterhin wurde das Regenwasser von den Hausdächern in Zisternen aufgefangen. Eine Rohrnetz-Wasserversorgung für die Ortschaften gab es damals – vor nur etwa 50 Jahren – noch nicht.

Wassernot auf Karsthochflächen

Eine Folge dieser harten Lebensbedingungen und der ständigen Wassernot war die geringe Bevölkerungsdichte auf der Karsthochfläche: Während 1936 im Deutschen Reich durchschnittlich 136 Menschen pro km² lebten, betrug die Einwohnerdichte im Gebiet zwischen der Schwarzen Laaber und Lauterach nur etwa 20 Menschen pro km² und in Teilen des Bezirksamtes Parsberg sogr nur 14 Einwohner pro km².

Das in seiner Qualität sehr schlechte Wasser aus Zisternen und Hüllen führte darüber hinaus auch zu einer erscheckend hohen Säulingssterblichkeit: Nach Berichten des Gesundheitsamtes Parsberg lag sie im Jahre 1906 bei 42 Prozent, im Jahr 1915 bei etwa 37 Prozent und verringerte sich bis zum Jahre 1936 auf lediglich rund 30 Prozent (Griesbach 1988).

Im Gebiet des Truppenübungsplatz Hohenfels liegt übrigens auch die älteste erforschte Höhle – leider ist sie deswegen nicht zugänglich.

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