Tipps zur Kindererziehung

Ursula Hitz hielt einen Vortrag zum Thema Kinder: Die Halt-gebende Familie – “Was Kinder von Ihren Eltern brauchen” und gab dabei viele Tipps zur einfacheren Kindererziehung.
Kleinkind
Bei einem jungen Säugling steht die Befriedigung der Grundbedürfnisse (Nahrung, Körperkontakt, emotionale Sicherheit, Sauberkeit, Kleidung) im Vordergrund. Bereits ein paar Monate später will die Neugier befriedigt werden und Greifen, Lernen sowie die Erweiterung der sozialen Kontakte kommen hinzu.
Die Suche nach “Autonomie” kollidiert dabei oft mit dem “Wohlbehüten”-Verhalten der Eltern. Dabei sollten Eltern nur dann weiterhelfen, wenn das Kind allein nicht mehr weiterkommt oder diese möchte.
Regeln geben Sicherheit
Wichtig ist ein geordneter Tagesablauf
Klare Regeln von beiden Eltern geben dabei den Kindern Sicherheit.
Die Eltern sollten sich dabei unbedingt absprechen und gemeinsam hinter den Entscheidungen und Regeln stehen. Aus dieser verläßlichen Sicherheit heraus, erwächst das Autonomiestreben des Kindes. Die Eltern sollen dabei nicht “über” das Kind, sondern “mit” ihm urteilen.
Je sicherer sich das Kind fühlt, desto eher erforscht es seine Umgebung. Dann können die Kinder ihrem Explorationsdrang nachgeben.
Die Kinder, die “unsicher gebunden” aufgewachsen sind, klammern sich z.B. im Kindergarten oft an die Mama, können sich nicht lösen.
Gefühle bei Kindern
Kinder können erst ab dem 12. oder 13. Lebensjahr Gefühle richtig benennen – bei den Kleinkindern vergißt man das oft.
Ein Beispiel:
Das Kind fällt hin, erschreckt sich dabei, weint und rennt zur Mama.
Die Mama sagt “Das macht nichts, das tut doch gar nicht weh.”
Das Kind erhält die falschen Signale, denn es spürt den Schmerz und bekommt aber gesagt, das würde nicht weh tun.
Der Abgleich der Gefühle des Kindes mit der Reaktion der Umwelt führt zu falschen Signalen.
Das Kind kann sich auf seine Gefühle “nicht verlassen”.
Besser ist es das Gefühl zu benennen: “Mensch komm her, hast dich erschrocken, bist hingefallen, das Knie tut weh.”
Dann merkt das Kind: Ok, das ist richtig, mein Gefühl ist in Ordnung.
Das Kind kann sich an seiner Umwelt richtig orientieren, hat einen “Namen”, einen Begriff für sein Gefühl bekommen.
Diese Gefühle brauchen die Kinder immer mehr in unserer medialen Welt.
Vorbild – Modelle vorleben
Eltern sollten die Modelle vorleben
Wenn die Eltern den Kindern sagen, sie sollen nicht mit vollem Mund sprechen und haben dabei selbst den Mund voll, ist das kein Vorbild.
Die Kinder lernen vom abschauen
Manche Kinder können mit 3 Jahren schon bis 15 zählen. Haben aber mit einfachen Alltagshandlungen Probleme: eine Scheibe Banane abschneiden, auf ein Klettergerüst klettern, ein Brot schmieren. Wenn die Basis bei den Alltagshandlungen nicht stimmt, wie soll man dann darauf aufbauen?
Kindergarten
Im Lehrplan vom Kindergarten ist Mathematik, Englisch, Computerstunde und vieles andere drin.
Aber wie eine Kuh riecht, wie man sich Schuhe zubindet oder eine große Rutsche runterrutscht, lernen viele Kinder nicht mehr.
Auch Konfliktlösungsmöglichkeiten müssen erst im Elternhaus gelernt werden.
Nicht “geh doch in dein Zimmer und überleg mal was du gemacht hast”, sondern “was hättest du jetzt anders machen können” oder “wie ist das jetzt dazu gekommen”.
Die Lernräume im sozialen Bereich mit Handlungsanweisungen und Halt brauchen die Kinder von klein auf. Hilfestellungen ja, aber nur so weit wie notwendig. Denn oft verhindert man dabei das Selbstverwirklichungsverhalten der Kinder.
Gestörte Selbstverwirklichung
“Wie war denn die Schulaufgabe letzte Woche” fragt die Tante die Tochter und die Antwort “ganz gut” kommt von der Mutter, bevor die Tochter den Mund aufbekommt.
Wenn das Kind gefragt wird, und die Mutter oder Vater geben die Antwort wird das positive Selbstverwirklichungsverhalten gestört.
Beispiele
- Wenn das Kind die Schulaufgabe holt und sie stolz der Tante präsentiert, sagt die Mutter “das hätten wir doch noch besser machen können, so gut ist das nicht”. Das Kind kann kein Lob bekommen, kann nicht stolz auf seine Arbeit sein.
- Der Papa baut mit seinem Sohn einen Turm. Dabei nimmt der Sohn den “falschen” Baustein. Der Vater berichtigt ihn: “nein, nimm den”. Er weiss ständig alles besser und der Sohn kann nicht selber lernen wie es geht. Der Vater “spielt” eigentlich gar nicht “mit” dem Kind, sondern der Papa baut im Enddefekt den Turm. Das Kind sieht, dass der Papa es immer besser kann, dass seine eigenen Leistungen nicht “gut” sind. Es lernt nicht seine Probleme selbst zu lösen (der Stein geht nicht, der fällt immer runter, muss einen anderen probieren). Es lernt nicht seine Lösung selbst zu erarbeiten und ist frustriert.
Verantwortung und Vertrauen
Ok, du hast die Verantwortung und ich vertraue dir. Damit kann man den Kindern Halt geben. Auch wenn es den Eltern nicht passt zu sagen:
“Egal was du sagst, egal was du machst, ich steh hinter dir.”
Oft erfüllen die Eltern an ihren Kindern die eigenen Wünsche. Bestes Beispiel dafür sind die Klavierstunden, die die Mama für das Kind will, weil sie selbst als Kind so gern Klavier spielen gelernt hätte. Wenn dann das Kind irgendwann sagt, dass es nicht mehr will, sollte man es auch aufhören lassen und mit ihm zusammen etwas suchen, dass ihm Spass macht. Oder noch ein Beispiel ist oft die Berufswahl. Gerade da sind die Eltern oft überrumpelt, weil der Nachwuchs ganz andere Vorstellungen hat.
Kinder streben nach Autonomie. Man sollte nicht sagen “du hast dich jetzt entschieden, da musst du jetzt durch”, sondern Situationsbezogen entscheiden. Es sind keine Erwachsenen, sondern Kinder und manche Entscheidungen muss man zurücknehmen. Lieber dahinter stehen, das Kind darf auch mal scheitern. Nicht abwerten, sondern der Entscheidung Halt geben und Vertrauen schenken.
Sicherlich kann man keinem 5-jährigen die Entscheidung überlassen allein über die Straße zu laufen. Aber die Berufs- und Ausbildungswahl bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen fördern und Halt geben.
Mit 60 Jahren trägt keiner mehr eine Leder-Halskette, aber wenn er es jetzt gerade für sein persönliches Selbstwertgefühlt braucht, warum nicht?
Selbstwirksamkeit
Das Wissen “ich bewirke etwas” oder “ich bewirke nichts” ist für das Kind eine wichtige Erfahrung. Aus dem Wissen um die eigenen Fähigkeiten resultiert das Selbstvertrauen. Wissen um die eigenen Gefühle, um den eigenen Körper.
- Bin ich ein toller Mensch?
- Schaue ich gut aus?
Das Einordnen der eigenen Wahrnehmungsinhalte in Bezug auf andere. Das hängt viel mit der Bewertung innerhalb der Familie zusammen:
“Hab ich ja gewußt, dass du die Schulaufgabe verbockst” oder eher eine positive Bewertung und die Suche nach einer Lösung für die Zukunft.
Selbstannahme
“Bin ich ganz in Ordnung” oder “Bin ich zu nichts zu gebrauchen”.
Wo will ich mich selbst weiterbilden.
Das Wissen um die eigene Wertigkeit: Bin ich zufrieden mit meinen Leistungen?
Selbstwertgefühl
Wie kann ich meinem Kind ein gutes Selbstwertgefühl vermitteln?
Kinder bekommen immer ein gutes Selbstwertgefühl, wenn sie sich sicher sind, dass sie ihren Eltern was wert sind.
Selbstbewusstsein ist eine sich selbst bejahende und auf eigene Qualitäten vetrauende Haltung. Ein gesundes Selbstkonzept ist ein Erziehungsziel.
Lebensberater werden
Man kann der “Lebensberater” seines Kindes werden und dem Kind dabei die Verantwortung für sein Leben übergeben. Es unterstützen und ihm Halt geben auf dem Weg, den es selbst gehen möchte.


Es gibt bisher einen Kommentar zum Artikel:
Arno
Ein wichtiger Punkt ist bei Jugendlichen auch, dass sie von den Eltern einen richtigen Umgang mit dem Alkohol lernen, denn das ist ein sehr wichtiges Thema.
Hier spielt die Vorbildwirkung eine ganz große Rolle.