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Boykott auf sueddeutsche.de


Foto: SZ-Redaktionsgebäude in der Münchner Sendlinger Straße

Wegen der nächtlichen Sperrung der Kommentarfunktion in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung tobt ein kleiner Boykott-Krieg. Seit 10. Dezember hat die Chefredation der Süddeutschen Onlinezeitung einen “Freeze” über die nächtliche Kommentarfunktion gelegt. Will heissen: nach 19 Uhr sowie am Wochenende und an Feiertagen können die Online-Artikel bis 8 Uhr morgens nicht mehr kommentiert werden.

In der Stellungnahme der sueddeutsche.de vom 21.12.07 wird um Verständnis darum gebeten und es würde versucht werden, die Kommentarfunktion wieder auszuweiten. Der Chefredaktion ginge es darum, Zensur gegen “persönliche Beleidigungen, üble Diffamierungen, Ehrverletzungen und üble Nachrede aus sueddeutsche.de” herauszuhalten. Um die Qualitätsstandards zu halten sieht sie sich deshalb verpflichtet, die Kommentare auch und gerade Nachts sowie am Wochenende zu moderieren. “Geschultes Personal für die Begleitung und Moderation” meint die Chefredaktion wohl nur zwischen 8 und 19 Uhr bereitstellen zu können.

Auf der anderen Seite stehen die Leser. Die Diskussion ist hier nicht minder breit gefächert und es gibt “schlagende” Argumente.

Von Verständnis für die Chefredaktion (Solitaire100), der eigentlich gegen “verlängerte Öffnungszeiten” ist und sich damit selbst im Konflikt sieht, wenn er nächtliche Moderation erwartet. Bis hin zu Vergleichen mit anderen Medien wie von Patman2 “Hätte sich ähnliches beim Spiegel oder einem anderem Medium abgespielt, hätten Sie sich mit Freude und vermutlich einigem an Sarkasmus auf die Story gestürzt.”

Der User ArchiaA fasst meine Meinung am besten in Worte:

Es sind letztlich nur einige wenige User, die die grundlegenden Regeln der Höfflichkeit und der demokratischen Streitkultur verletzen. Dafür die ganze „community“ kollektiv zur Verantwortung zu ziehen, kann aber nicht die Lösung des Problems sein.

Andere User (latzek) sind “von der nachtaktiven Seite” und leben in Australien. Dort kreuzen sich die neuen Zeiten mit dem Bedürfnis zu schlafen. Wer den Kampf gewinnen wird, steht wohl schon fest.

Es geht einerseits um die Macht der Medienkonzerne und andererseits um (Meinungs-)Freiheit.

Es wird beleidigt und gelöscht - freilich auf journalistisch hohem Niveau.

Man soll ja im Büro nicht im Internet surfen und Zeitung lesen. Viel mehr Spass macht lesen mir auch, wenn ich meinen Kommentar zu einem Thema abgeben kann. Eben genau das hat mich auch von meiner täglichen Papierausgabe ins Internet zur Süddeutschen-Online-Ausgabe getrieben. Irgendwie kann ich die Aufregung nicht ganz verstehen: mit der “petzen”-Funktion konnte man doch ganz schnell gemeine Kommentare löschen, bzw. off-line stellen lassen.

Meine Hoffnung auf eine Änderung wieder hin zur alten Funktion mit 24/7 ist gering. Vor allem in den nächsten Wochen wird sich sicherlich nichts verändern. Schließlich kommt ab 01.03.08 eh ein neuer Wind in Form eines neuen “Besitzers“. Bis dahin vermute ich keine Entscheidung zu diesem Thema in der SZ-Online. Ob der dann auch wieder Personal in der Tschechei suchen wird?

Scheee wars scho, aber die Welt wird nicht untergehen weil ich in der SZ nicht mehr 24 Stunden rund um die Uhr kommentieren kann. Gibt ja genügend Alternativen.

Mehr zum Thema:

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