Neumarkt – geologisch gesehen
Wer sich dem Gebiet von Neumarkt in der Oberpfalz von außen mit der Natur begreifenden Blicken nähert und gewillt ist, in die Entstehungsgeschichte dieser von ruhiger Eindruckskraft geprägten Landschaft einzudringen, der muss, wenn er schnell begreifen will, wie die Gesteinswelt aufgebaut, geformt und gestaltet ist, von Westen kommen.
Von Osten her würde er bei Berühren des Kreisgebietes schon auf einer Hochfläche sein, die sich unmerklich und ohne besondere Akzente anhebt und in – durch den Karst etwas belebten – Wellen dahinstreicht.Von Norden oder Süden kommend, würden ihn die Flußtäler oder Verkehrswege in das Kreisgebiet hineinlocken.
Das wäre zwar ein Anmut und Wohlgefallen vermittelnder Eindruck, aber die Betrachtung würde nicht das Charakteristische der Landschaft zeigen.
Neumarkt aus dem Westen betrachten
Aber von Westen!
Da baut sich, von der Vorhut der Inselberge gesäumt, der von breiten Rücken, Sockeln und Platten geprägte eindrucksvolle Gebirgszug, sich über leichte gewellte und relativ sanft geformte Nürnberger Land erhebend, auf. Wie eine Trutzburg leuchten die hellen Weißjura-Felsen, und ihr Waldkleid schafft gegen den Horizont ein breites , ebenliegendes grünes Band.

Wollte man den geologischen Bau mit nur drei Worten schildern, womit man den Kern träfe, so hieße das: Schichtstufenland – eben gelagert – verkarstet und dadurch angesägt, gekerbt, akzentuiert.

Die im Landkreis verbreiteten Gesteine sind Teil der Süddeutschen Großscholle, des Fränkischen-Schwäbischen Schichtstufenlandes, dessen stratigraphisch von Keuper bis Kreide reichende Sedimentgesteine dem Alten Gebirge im Osten vorgelagert sind, dieses im Untergrunde, in welchem das Alte Gebirge durch die Abschiebung an der Fränkischen Linie tiefergelagert ist, verhüllend.

Abtragung und Wieder-Ablagerung von Gesteinsmassen des Tertiärs und Quartärs haben in dieses nur von germanotyper, d. h. Bruchtektonik betroffene Sedimentpaket eingegriffen und sind die Merkmale der jüngsten Landschaftsformen:
- Zertalung und Verebnung
- tiefgündige Verwitterung und lineare Erosion
- intensive Verkarstung der Kalkgesteine
Das wäre in kurzen Worten eine einfach, aber klare Charakteristik. Sehen wir uns aber die geologische Geschichte von Neumarkt näher an!
Topografischer und hydrografischer Überblick
Die wichtigsten topografischen Merkmale des Landkreises sind die Albhochfläche mit den vorgelagerten Zeugenbergen (Dillberg, Buchberg und Schlüpfelberg) und das etwa 200 Meter tiefer gelegene Albvorland.

Bild: Buchberg – seinen Namen hat er duch seine Form: weil er von weitem wie ein aufgeklapptes Buch aussieht.
Die Albhochfläche weist Höhenlagen zwischen + 500 und über 600 Meter NN auf. Die höchste Einebnung im Landkreis ist der Dietrichstein südlich von Lauterhofen mit + 627 Metern NN. Das Albvorland liegt hingegen nur etwa + 400 Meter bis + 430 Meter über dem Meeresspiegel. Der tiefste Punkt befindet sich im Nordwesten des Landkreises, im Gebiet westlich von Pyrbaum, mit + 376 Meter NN.
Das Gebiet des Landkreises wird im Norden zum Rhein-Main-System entwässert; im Süden erfolgt die Entwässerung über die Sulz zur Altmühl sowie über Schwarze Laaber und Lauterach zur Donau. Quer durch den Landkreis – etwa entlang der Linie Pyrbaum – Dillberg – Tyrolsberg – Neumarkt – Lauterhofen – zieht die europäische Wasserscheide.
Stratigraphie und Erdgeschichte
Die reizvolle Landschaft des Landkreises Neumarkt wird hauptsächlich von den Schichten der obersten Trias (Keuper) und des Jura aufgebaut. In unserer Gegend ist eine vollständige Abfolge von den Sandsteinen des oberen Keupers über die Lias- und Doggergesteine bis zu den Kalk- und Dolomitschichten des Malms augeschlossen. Dazu kommen noch Albüberdeckung genannte Verwitterungslehme auf der Jurahochfläche, Flugsande aus der letzten Eiszeit, Fließerde- und Hangschuttbildungen, die Füllungen der Täler und die jungen Quellkalke.
Als die im Gebiet von Neumarkt verbreitete Schichtfolge in einem küstennahen Gebiet, in welchem ein ständiger Wechsel zwischen kontinentalen und marinen Bedingungen und schließlich ein flasches Schelfmeer bestand, zur Ablagerung kam, war die (heute unter diesen Sedimenten liegende) Kruste längst durch mehrere Gebirgsbildungen konsolidiert. Der Altmeister der Tektonik Hans Stille (1924) hat das Eo- und Paläo-Europa genannt.
Zur Zeit der Trias wurde Meso-Europa an den im Norden und Nordosten unseres Gebietes liegenden Nucleus angebaut, im wesentlichen durch Akkumulation von Beckensedimenten, die dann schließlich weiter im Süden, als Neo-Europa gebildet wurde, zu den Faltengebirgen des alpidischen Systems (als Folge eines Aufdriftens des afrikanischen Kontinents auf Europa) geformt wurden.

Der Sedimentstapel des Fränkischen Tafellandes liegt nahezu unbeeindruckt durch diese Vorgänge im mesoeuropäischen Krustenteil. Er beginnt, stratigrafisch gesprochen, mit dem obersten Teil der Trias. Die Lebewelt war damals im Zuge ihrer Entwicklungsgeschichte bei den Pflanzen bis zur Stufe der Gymnospermen (= Nacktsamer: Das sind Pflanzen, deren Samenanlagen und Samen offen auf den Fruchtblättern liegen und nicht in einen besonderen Fruchtknoten eingeschlossen sind; hierzu zählen Palmfarne, Nadelhölzer und der Ginkobaum) entwickelt, im Tierreich wurde die Wunderwelt der Ammoniten, Saurier und der Urvögel erreicht.


