Nachteile einer GmbH

Es geht darum, die Nachteile einer GmbH im Gegensatz zur einfachsten Unternehmensform bei Gründung – der Einzelgesellschaft – darzulegen.

GmbH Nachteile

Andere Formen wie GbR (Gesellschaft des bürgerlichen Rechts) oder AG (Aktiengesellschaft) sprechen wir nicht an.

Soll- und Ist-Besteuerung

Ein wichtiger und gleichzeitig oft unbekannter Unterschied zwischen einem Einzelunternehmen und einer GmbH liegt in der Besteuerung:

Eine GmbH unterliegt ab Ihrer Gründung der sog. Soll-Besteuerung.

Soll-Besteuerung

Soll-Besteuerung bedeutet, dass Sie die Umsatzsteuer ab dem Zeitpunkt der Rechnungsstellung an das Finanzamt abführen müssen.

Ein Beispiel Soll-Besteuerung:

Die Rechnung an Ihren Kunden beläuft sich auf 10.000 Euro netto zzgl. 19% Umsatzsteuer i.H.v. 1.900 Euro.

Mit Rechnungsdatum sind diese 1.900 Euro mit der monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung an das Finanzamt fällig. Ihr Kunde hat noch nicht bezahlt, er hat 30 Tage Zahlungsziel.

Sie haben das Geld also noch nicht auf Ihrem Konto, schulden es aber schon dem Finanzamt.

Damit dürfen Sie die 1.900 Euro an das Finanzamt erstmal auslegen.

Ist-Besteuerung

Jedes (neugegründete) Einzelunternehmen kann die Form der Ist-Besteuerung wählen.

Bei der Ist-Besteuerung ist die Umsatzsteuer erst an das Finanzamt zu bezahlen, wenn der Kunde ihre Rechnung auf Ihr Konto überwiesen hat.

Wichtig ist der Tag des (Ist-)Geldeinganges, nicht der Tag der (Soll-)Rechnungsstellung.

Veröffentlichung der Bilanzen im Internet

Bei JEDER deutschen GmbH müssen die Bilanzen (Kurzform reicht) beim Amtsgericht eingereicht werden.

Dort werden Sie erfasst und im Internet online gestellt.

Suchen und finden kann man diese Bilanzen dann über den e-Bundesanzeiger.

Jeder Ihrer Mitbewerber kann also Ihre Jahreszahlen einsehen, weiß wieviel Umsatz Sie gemacht haben etc.

Wollen Sie das?

Hohe Kosten

Die GmbH hat nicht nur enorm hohe Gründungskosten (Notar, Handelsregister, Anwalt für Gesellschafterverträge, Steuerberater etc.), sondern auch hohe laufende Kosten.

Oftmals wird aus steuerlichen Gründen bei GmbH-Gründung ein bestimmtes Konstrukt verwendet:

Der Unternehmer gründet/behält ein Einzelgewerbe, darüber wird ein Grundstück / das Firmengebäude über die Bank gekauft (finanziert).

Die GmbH mietet / pachtet dann das Gebäude, zahlt monatlich an die Einzelfirma, die damit die Bankkredite bedient.

Ist steuerlich selbstverständlich einwandfrei.

Allerdings:

Die GmbH hat Bilanzierungspflicht und MUSS einen Steuerberater für die Bilanzerstellung zum Jahresabschluß engagieren und bezahlen.

Die Einzelfirma braucht auch einen Jahresabschluß.

Ein kleiner ordentlicherJahresabschluß kostet etwa 1.500 Euro beim Steuerberater.

Und das kommt zur normalen monatlicher Buchführung (Löhne etc) noch dazu.

Also hat man mit diesem Konstrukt immer doppelte Buchführungskosten, innerhalb von 10 Jahren (und die vergehen schnell), hätten wir sonst 15.000 Euro „Gewinn“.

Wer hätte das Geld nicht lieber in seiner Tasche, statt auf dem Konto des Steuerberaters?

Private Haftung

Bei vielen Unternehmensgründungen raten die Banken zur Gründung einer GmbH, z.B. wegen „Vorteilen“, die bei genauem Hinsehen in Wirklichkeit gar keine sind:

Angebliche Vorteile einer GmbH

  • Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftsvermögen, die Gesellschafter haften (eigentlich) nicht persönlich, ABER: bei einer GmbH haftet man bei „fahrlässiger Verletzung der auferlegten Pflichtenunbegrenzt mit seinem privaten Vermögen für entstandene Schäden!
  • Bildung von stillen Reserven weil Gewinne nicht ausgeschüttet werden (bei steuerlichen Außenprüfungen ein beliebter und ergiebiger Prüfungsgegenstand)

Wegen „grober Fahrlässigkeit“ ist man als Unternehmer in Deutschland IMMER in der privaten Haftung, da hilft keine Unternehmensform.

Banken holen Unternehmer in die private Haftung

Die Banken erklären die Vorteile aus der beschränkten Haftung (begrenzt auf das Stammkapital) und lassen meistens gleichzeitig den Unternehmer ein Papier unterschreiben, mit welchem er der Bank gegenüber die private Haftung übernimmt.

Vorzugsweise gehört dieses Papier zu den Kreditunterlagen.

Ist ja klar:

Sie nehmen z.B. 200.000 Euro Kredit auf Ihre GmbH bei der Bank auf, würden aber nur mit dem Stammkapital der GmbH von 25.000 Euro haften? Das macht selbstverständlich keine Bank. Somit ist zumindest die Bank abgesichert.

Übrigens müssen zur Gründung der GmbH nur 50% als sog. „Sichteinlage“ tatsächlich eingezahlt werden. Haften darf man also mindestens mit den gesamten 25.000 Euro, einzahlen aber erstmal nur 12.500 Euro.

Nachteile einer GmbH

Die Wahl der Unternehmensform ist schwierig in Deutschland.

Ich übernehme hier keinerlei „private Steuerberatung“, denn die rechtliche Situation ändert sich laufend und man kann ohne berufliche Notwendigkeit unmöglich täglich auf dem neuesten Stand sein.

Aus meiner Sicht überwiegen für Unternehmensneugründungen die Vorteile des Einzelgewerbes.

Für die riesigen Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Steuerberater, Anwalt oder Wirtschaftsprüfer.

Ein Gedanke zu „Nachteile einer GmbH

  • 7. August 2016 um 13:30
    Permalink

    Prima Artikel, der heute auch noch gilt. Die GmbH oder UG wird oft so gelobt, weil viele daran mit Kosten und Gebühren verdienen. Ganz zu Schweigen von dem höheren Zeitaufwand. Der Gesetzgeber hat auch selber sukzessive seit den 80er Jahren die persönliche Haftung auf die Geschäftsführer ausgeweitet sodass hier viele Vorteile wegfallen. Ein Beispiel: Strafen wegen nicht Veröffentlichung beim Bundesanzeiger haftet der GF persönlich. Hat er aber wegen persönlichen Gründen nicht veröffentlicht wird das nicht als Grund berücksichtigt eine Strafe abzumildern. Außerdem zahlt die GmbH GewSt. vom 1 Euro an. Als Einzelunternehmer hat man Freibeträge.

    Oft werden Angstszenarien wegen der Haftung verbreitet. Klar Gerichte, Notare, Steuerberater, Buchverlage, Finanzämter und wer weiß wer nicht kassieren ja bei der GmbH immer mit. Fakt ist: Wie oft kommt der Fall vor, dass der „Worst Case“ eintritt und eine persönliche Vermögenshaftung mit Totalverlust eintritt?

    Die Wirklichen Verlierer bei einer GmbH Insolvenz sind Lieferanten und Dienstleister, die Ihre Rechnungen abschreiben können. Grobe Fahrlässigkeit dem GF nachzuweisen kann man versuchen. Verdienen tun wieder Anwälte und Gerichte mit wenig Erfolg.

    Es gibt gute Einsatzgebiete für die GmbH vor allem wenn Umsätze und Gewinne in die Millionen gehen und man Wirtschaftsprüfer und Anwälte einfach zahlen kann.

    Ein Fehler: Die Bilanz muss nicht der Steuerberater erstellen. Dazu besteht keine Pflicht. Die Bilanz muss nach den Normen vom HGB und StGB erstellt sein.

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