Entstehung des Truppenübungsplatz Hohenfels
Eine Folge von harten Lebensbedingungen und ständiger Wassernot war die geringe Bevölkerungsdichte auf der Karsthochfläche im Landkreis Neumarkt:
Während 1936 im Deutschen Reich durchschnittlich 136 Menschen pro km² lebten, betrug die Einwohnerdichte im Gebiet zwischen der Schwarzen Laaber und Lauterach nur etwa 20 Menschen pro km² und in Teilen des Bezirksamtes Parsberg sogar nur 14 Einwohner pro km².
Schlechtes Wasser und schlechte Lebensbedingungen
Das in seiner Qualität sehr schlechte Wasser aus Zisternen und Hüllen führte darüber hinaus auch zu einer erscheckend hohen Säulingssterblichkeit: Nach Berichten des Gesundheitsamtes Parsberg lag sie im Jahre 1906 bei 42 Prozent, im Jahr 1915 bei etwa 37 Prozent und verringerte sich bis zum Jahre 1936 auf lediglich rund 30 Prozent (Griesbach 1988).
Wasserversorgung um 1930-1935
Um diese schlimmen Lebensbedigungen zu lindern, wurde Mitte der dreißiger Jahre geplant, den Oberpfälzer Jura mit Wasserversorgungsanlangen und den zugehörigen Rohrleitungsnetzen auszustatten. Die Stellungnahmen des Bayerischen Landesamtes für Wasserversorgung zu der geplanten Fernwasserversorgung vermittelten erschreckende Eindrücke von der Wassernot der Bevölkerung auf der Albhochfläche (Morgenroth 1975):
“Der nördliche Teil des Amtsbezirkes Parsberg liegt im Fränkischen Jura, der infolge der großen Durchlässigkeit des Kalkgesteins sehr wasserarm ist. Auf den Höhenzügen und an deren Abhängen treten oft Felsen zutage; zwischen den Höhenzügen liegen sogenannte Trockentäler, die vollständig wasserlos sind, weil der Grundwasserspiegel erheblich tiefer liegt. Erst die Sohle der noch stärker eingeschnittenen Bachtäler führt Grundwasser, das selten, wie in Hohenfels, als Quelle austritt. Im ganzen, etwa 300 qkm großen Gebiet wie auch in den übrigen nicht durch Wasserleitungen versorgten Jura herrscht eine erschreckende Wasserlosigkeit. Die Bevölkerung muss jeden Tropfen Regenwasser mühsam in Zisternen und offenen Wassserlöchern sammeln. Denn wenn das Regenwasser zu Ende geht, muss das Wasser für Mensch und Vieh von weither aus den Bächen geholt werden. Dabei sind steile Höhenzüge auf schlechten Wegen zu überwinden. Die Folgen dieser Wasserarmut sind offensichtlich. Die Bevölkerung ist stark verschuldet, sieht ärmlich und abgearbeitet aus. Ebenso wie ihre Behausungen sind auch ihre Ortschaften verschmutzt. Die Gegend wird deshalb auch “Sibirien” genannt. Es ist zu begreifen, dass der Jura dünn besiedelt ist, und es ist der traurige Ruhm des Amtsbezirkes Parsberg, dass er um das Jahr 1910 in Bezug auf Säulingssterblichkeit an der Spitze in Deutschland stand, was sich auch bis heute nicht wesentlich geändert hat. Das Vieh ist klein, abgemagert und über den Durchschnitt abgearbeitet. Bewohner, Vieh und Gegend machen einen trostlosen Eindruck.”
Gutachten über Wasserverhältnisse
Am 24. September 1935 begutachtete schließlich eine staatliche Kommission die Wasserverhälntisse in diesem Gebiet.
Ihre Ergebnisse sollen im folgenden auszugsweise vorgestellt werden (n. Morgenroth 1975):
“In dem Ort Hörmannsdorf befindet sich ein Feuerweiher, der zugleich Viehtränke ist. Die Speisung erfolgt durch Regenwasser und aus den umliegenden Dungstätten. Das Wasser ist deshalb jaucheartig. Bei den Anwesen befinden sich zumeist Zisternen, in denen das Dachwasser gesammelt wird, das eine grünliche Farbe hat. Bei langer Trockenheit muss das Wasser zum Viehtränken von der Laaber (5,5 km entfernt) geholt werden. Die Fahrt nimmt fast einen halben Tag in Anspruch. Die Wasserfässer, die gleichzeitig auch zum Jauchefahren benutzt werden, fassen 700 bis 1200 l. Auch der Schulbrunnen enthält nur Dachwasser, das getrübt und geruchslos ist. Im Ort Großbissendorf wurde aus Anlass des Straßenbaus Parsberg-Hohenfels im Jahre 1927 ein Tiefbrunnen mit Pumpe gebaut (42 m tief). Seit zwei Jahren gibt er kein Wasser mehr. Das Wasser des Schulbrunnens ist zur Zeit leicht getrübt. Drei Wochen war der Brunnen infolge der heurigen Trockenheit leer. Das Wasser musste aus den Quellen in Hohenfels geholt werden. Eine Fuhre kostete 5,50 Reichsmark. Bei Regenfällen ist das Wasser schwärzlich, da der ganze Schmutz des Baches in den Brunnen läuft. Die im Ort vorhandenen Gemeinschaftshüllen (Wasserlöcher) für das Vieh enthalten braunes, übelriechendes Wasser. Das Wasser zum Kochen und Trinken in den meist gemauerten Zisternen (Sammelbecken für Regenwasser) ist hier stark braun gefärbt. (…)
In Enslwang ist die Wassernot besonders groß. Sowohl die Zisternen als auch die Gemeinschaftshüllen enthalten braun gefärbtes, übelriechendes Wasser. Hier wie auch in den meisten anderen Orten sind die Gemeinschaftshüllen so angelegt, dass sie nicht nur vom Regenwassern, sondern auch von den Dungstätten gespeist werden können, damit, wie sich ein Anwesenbesitzer ausdrückte, ja kein Tropfen verlorengeht, denn bei Wassernot muss das Wasser aus der Lauterach in Schmidtmühlen geholt werden. Jede Fahrt beansprucht fünf Stunden. Hat jemand kein Fuhrwerk, muss er für die Fuhre 7 bis 8 Reichsmark bezahlen. Das Vieh ist in der Ortschaft Enslwang schlecht. Es ist sehr klein und teilweise sehr abgemagert. Das Vieh leidet vielfach an Tuberkulose. In Prönsdorf sind die Wasserverhältnisse sehr schlecht. Die Wasserhüllen werden auch aus den Miststätten gespeist. Ein alter Tiefbrunnen (32 m tief) gibt fast kein Wasser mehr und wird deshalb nicht mehr benutzt. Dachwasser ist dort das Trink- und Kochwasser. In Lutzmannstein - auf einem Bergrücken gelegen - sind die Wasserverhältnisse besonders ungünstig. Die Hüllen sind so angelegt, dass in sie das ganze Schmutzwasser von den Ortswegen in die überlaufende Jauche fließt. In einer gemauerten Hülle lag eine tote Henne und darauf eine Blindschleiche. Die Hüllen für das Trinkwasser sind sehr schlecht und enthalten schmutziges, braun gefärbtes Wasser. In trockenen Jahren (wie 1934 und 1935) gab es fast kein Wasser; es musste aus der Lauterach bei Hohenburg (16 km Hin- und Rückfahrt) geholt werden. Der Bayerische Staat besitzt dort ein Schloss, das verkauft werden soll. Verkaufsverhandlungen haben sich stets wegen der vollkommen unzureichenden Wasserverhältnisse zerschlagen.”
Baukosten für Wasserversorgungsanlage sind zu hoch - Einwohner werden ausgesiedelt
Die Baukosten der Wasserversorgungsanlage wurde - wegen der dünnen und zersplitterten Besiedlung und der dadurch bedingten großen Ausdehnung des Rohrnetzes - auf die damals immense Summe von 3,6 Millionen Reichsmark veranschlagt. Da diese Geldsumme durch staatliche Zuschüsse nicht zu finanzieren war und auch die meist stark verschuldeten Bauern zur Deckung der Baukosten nicht herangezogen werden konnten, wurde 1938 das Gebiet zwischen Hohenfels und Schmidmühlen ausgesiedelt und als Truppenübungsplatz für die Wehrmacht ausgewiesen.
Truppenübungsplatz Hohenfels
Nach dem Kriege erfolgte die Erweiterung des Truppenübungsplatzes durch die nunmehr hier stationierten amerikanischen Truppen bis auf die heutige Größe.




